Die deutsche Volkswirtschaft muss zum Erreichen der nationalen Klimaziele – einer bis zum Jahr 2045 nahezu CO2-neutralen Wirtschaft
Investitionen von rund fünf Billionen Euro tätigen. Rund zehn Prozent davon, also 500 Milliarden Euro, entfallen auf die öffentliche Hand. Knapp 60 Prozent dieser öffentlichen Investitionen (297 Milliarden Euro) sind im Energiesektor erforderlich und hiervon wiederum das Gros (249 Milliarden Euro) für Erneuerbare-Energien-Anlagen. So lauten zentrale Resultate einer Kurzstudie, die von der öffentlich-rechtlichen KfW Bank beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG in Auftrag gegeben und durch die KfW Research ausgewertet wurde.
Die Kurzstudie basiert auf einer bereits 2021 gemeinsam mit Nextra Consulting und dem Institut für nachhaltige Kapitalanlagen erarbeiteten, sektorenscharfen Quantifizierung der gesamten erforderlichen Klimaschutzinvestitionen. In der Folgestudie wird nun schwerpunktmäßig der öffentliche Anteil an diesen Investitionen berechnet, wobei allerdings das zwischenzeitlich erfolgte Vorziehen der deutschen Klimaziele von 2050 auf 2045 nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Die KfW Research bezieht sich in ihrer eigenen Auswertung hingegen auf den Zeitraum bis 2045.
Die resultierenden gewaltigen Zahlen relativieren sich erheblich, wenn sie in Bezug zu anderen Größen gesetzt werden. Die öffentlichen Investitionen etwa entsprechen gut 20 Milliarden Euro jährlich, das entspricht laut KfW »annähernd den Zinsausgaben für die staatliche Verschuldung«. Vor allem aber wären 56 Prozent dieser Investitionen »ohnehin zu tätigen«, sie müssen lediglich »in eine klimaneutrale Richtung gelenkt werden«. Unterm Strich, heißt es in der Prognos-Studie, sei für die öffentlichen wie privaten Investitionen zu erwarten, »dass die gesamtwirtschaftlichen Effekte sich im Bereich einer ›schwarzen Null‹ bewegen« und sich zudem positiv auf das langfristige Wirtschaftswachstum auswirken.
Generell sind die Zahlen allerdings mit erheblichen Unsicherheiten befrachtet. So ist beispielsweise die veranschlagte Summe an öffentlichen Investitionen für Erneuerbare-Energien-Anlagen beinahe ebenso hoch wie die für den gleichen Zweck erwarteten privaten Investitionen. Diese Annahme ergibt sich allein auf der Basis, dass derzeit die fünf größten deutschen Stromerzeuger – gemessen an den erzeugten Strommengen – fast zur Hälfte im Besitz öffentlicher Körperschaften sind (genauer: die beiden größten, nämlich EnBW und RWE, zu 100 bzw. knapp 25 Prozent). Die fünf größten Erzeuger stehen aber nur für circa 70 Prozent des Gesamtmarktes, der sich zudem ja bei einem Komplettumstieg auf Erneuerbare strukturell deutlich ändern könnte. Auch andere Annahmen der Studie, beispielsweise erforderliche Investitionen von 22 Milliarden Euro in Oberleistungen an Autobahnen, sind nicht durch konkrete Infrastrukturprojekte gedeckt.
25.07.2022